SVE-Trio mit erfolgreichem Auftritt
Vom 26. Juni bis zum 4. Juli 2026 fand im Kurhaus im Nordschwarzwälder Bad Herrenalb unter der Beteiligung von rund 120 Teilnehmenden wieder die diesmal
’11. Offene Baden-Württembergische Senioreneinzelmeisterschaft‘
statt. Von unserem Verein waren wie bereits im Vorjahr auch Werner Junger und Hans Leutz wieder mit von der Partie, heuer noch verstärkt von Werners jüngerem Bruder Ulrich Junger. Alle Teilnehmer hatten an neun Tagen jeweils eine Partie zu spielen, insgesamt also neun an der Zahl (Bedenkzeitregelung 90min/40 + 30min, 30 sec Inkrement von Beginn an).

Unser (mit Verlaub) Oldie Hans bekam es in der Startrunde bereits mit dem Vorjahressieger und – wie sich letztlich herausstellte – auch neuerlichen Turniersieger IM Jean-Luc Roos zu tun, wo er sich gegen den klaren (und weitaus jüngeren) Favoriten sehr gut hielt und selbst im weit fortgeschrittenen Mittelspiel noch um den dreißigsten Zug herum ordentliche Chancen auf ein Remis wahrte, bis ihm schließlich in dem komplexen Endspiel doch noch ein entscheidender positioneller Fehler unterlief. Für die Gebrüder Junger, die es da mit nominell schwächeren Gegnern zu tun hatten, gelang der Start mit jeweils zwei Siegen in den ersten beiden Runden optimal.
Während in der Folge Hans mit zwei Remisen wieder Fuß fasste, um in Runde vier dann gar den ersten Sieg feiern zu können und Ulrich zunächst mit zwei Remisen gegen nominell stärkere Gegner weiter ohne Niederlage blieb, bis er dann in den Runden fünf und sechs gegen den in württembergischen Schachgefilden bestens bekannten FM Holger Namyslo und schließlich die Nr.1 der Setzliste FM Dr. Vladimir Podat letztlich den Kürzeren zog, vermochte Bruder Werner mit zunächst einem Kurzremis gegen Trainingslager-Genossen Udo Scharrer vom DT Esslingen, einem Sieg gegen einen nominell annähernd Gleichstarken und zwei weiteren Remisen, zuletzt mit Weiß gegen den überaus erfahrenen und ehemals langjährigen Bundesligaspieler und mehrfachen Deutschen Mannschaftsmeister IM Klaus Klundt, Vizemeister der Deutschen Einzelmeisterschaften 1970, weiter ohne Niederlage zu bleiben, bis schließlich auch er in Runde 7 auf den alten und neuen Turniersieger IM Roos traf. Hier vermochte Werner mit Schwarz spielend, seinen Stellungsnachteil bis wenige Züge vor der Zeitkontrolle im vierzigsten Zug in passablen Grenzen zu halten, bis es schließlich dann doch heikel bis prekär wurde. Leider verpasste Werner in dieser Phase da einmal die goldrichtige Antwort, um nach einem fehlerhaften Zug des aus Straßburg stammenden Gegners zu einer völlig ausgeglichenen Stellung und entsprechend wohl einem Remis zu gelangen, um so stattdessen doch noch in eine Verluststellung zu geraten, die letztlich nicht mehr zu halten war.
Leicht gerät man ja nach so einer ersten Niederlage ein ganzes Stück weit in ein psychisches Tief; als der Berichterstatter sich tags darauf in der Vorschlussrunde mal kurz auf Arbeit in die Liveübertragung bei ‚Lichess‘ einloggte, meinte er da auf dem kleinen Handydisplay nach gerade einmal einem dutzend Zügen ein „1/2:1/2“ gesehen zu haben (wahrscheinlich tatsächlich nicht nur schlecht hingeschaut, sondern eine Fehlanzeige wie in der Startrunde, als zuhauf nach wenigen Zügen auf einzelnen Brettern fälschlicher Weise eine Punkteteilung angezeigt wurde) und dachte entsprechend nun ungefähr „na, da scheint bei Werner die Luft offenbar etwas raus zu sein und ist wohl vor allem nun darauf bedacht, das Turnier ohne weitere Ambitionen einigermaßen zu Ende zu bringen, wenn er mit Weiß spielend gegen einen nominell leicht schwächeren Gegner da ohne echte Not so früh remis macht“. Erst am späteren Abend entdeckte der Berichterstatter beim Schauen auf die Rundenergebnisse dann zu seiner Verblüffung, dass da „1:0“ stand und schaute sich entsprechend nochmals den Partieverlauf an, um da zu realisieren, dass die Partie tatsächlich noch sehr viel länger andauerte. Werner war es da im Laufe des Mittelspiels mal gelungen, einen Bauern zu gewinnen, für dessen Verlust sich irgendwann die zeitweise vorhandene gegnerische Kompensation mit dessen gewissen Zutun irgendwann doch im Sande verlor.
Mit der resultierenden Punktausbeute von 5,5/8 bestand so für Werner vor der angestandenen Schlussrunde noch die Perspektive, sein bereits gutes Vorjahresergebnis von 6/9 noch zu übertrumpfen und mit einem entsprechenden Schwarzsieg gegen einen nominell leicht schwächeren Gegner (der aber 2023 das Gesamtturnier zu gewinnen vermochte!) am Ende vielleicht noch in die Top 5 zu gelangen. Eröffnungsmäßig kam es dabei wie ihm vom entsprechend zuarbeitenden Berichterstatter prognostiziert, denn der Gegner brachte wie erwartet sein ‚Londoner System‘ aufs Brett …
Zum aus Ebersbacher Perspektive rundum guten Turnierende trug natürlich mit bei, dass auch die beiden anderen SVE-Protagonisten ihre Schlussrundenpartien zu gewinnen vermochten (die einzige Runde mit einer SVE-100%-Ausbeute)!
Am Ende platzierte sich Werner Junger mit 6,5/9 noch zwei Plätze vor seiner Vorab-Einstufung nach Elo (genau wie auch Ulrich mit seinen 5/9) auf Endrang sieben, punktgleich mit dem nach Buchholzwertung Fünftplatzierten. Nicht nur er, sondern auch Bruder Uli nehmen aus dem Turnier einigen Ratingzuwachs mit nach Hause. Unser Oldie und Dritter im Bunde Hans Leutz blieb zwar knapp unter 50%, ließ aber zumindest nach DWZ-Wertung mit diesem Ergebnis keine Federn und ließ mit bald neunzig Lebensjahren aufm Buckel noch über vierzig weitere und mitunter weitaus jüngere Mitspieler hinter sich.
Am Ende kann man so also wohl aus Vereinssicht nicht zuletzt mit der 100%-Ausbeute der Schlussrunde konstatieren: „Ende gut, alles gut!“

Hmm … najaaaaa … am Ende wohl schon, aber da mal davor?!? … da war doch noch was! …
Wenn man vielleicht doch einen kleiiiiinen Wermutstropfen in den Trollingerwein tropfen lassen möchte, dann (zumindest für einen Schachromantiker) vielleicht FOLGENDES da …
… Wie berichtet vermochte Werner zwar in der Startrunde seine Favoritenrolle letztlich erfolgreich mit einem ganzen Punkt auszufüllen, wobei ihm da aber letztlich dann doch etwas durch die Lappen (bzw. Finger) ging (und dabei dem Berichterstatter beim Live-Online-Kiebitzen von der die Übertragung begleitenden Engine angezeigt wurde), was sich einem Schächer wohl nur ziemlich wenige Male in seiner Schachlaufbahn bietet …
[Wer in der Folge im Trainingssinne auf der Jagd nach der „unsterblichen Glanzkombination“ selbst den Kopf anstrengen möchte, scrolle in der Folge jeweils nur vorsichtig nach unten!]
Der mit Weiß spielende Gegner hatte gerade eben fehlerhaft seinen Turm von f1 nach f2 gezogen. Werner reagierte darauf nach acht Minuten mit 24…Lh6?, was nach 25.Sf1 f4 26.g4 Dh4 zwar auch einigen und letztlich ausreichenden Vorteil wahrte, aber es wäre noch bei Weitem besser gegangen. Der live zuschauende Berichterstatter staunte nicht schlecht, als die die Übertragung begleitende und dort implementierte Engine …
24…Sxg3! als stärkste Möglichkeit und klaren Gewinnzug auswies und dem Gegner darauf empfiehlt, den Opferspringer nicht zu nehmen, sondern besser kleinlaut mit 25.f4 zu reagieren, was aber quasi einer Bankrotterklärung gleichkommt. Natürlich stellt sich die Frage, was denn im Falle dessen Nehmens mit 25.Kxg3 die schwarze Pointe sein soll?!?

25…Dh4+!! Wow! Wieder staunte der live kiebitzende Berichterstatter nicht schlecht – insbesondere auch darüber, dass die Engine auch das zweite Opfer nicht annehmen wollte und stattdessen lieber mit 26.Kh2 Dxf2 Material abdrücken wollte, was natürlich einen entscheidenden Materialverlust bedeuten würde.
Ja, aber was, wenn man einfach auch das zweite Opfergeschenk annimmt?

26…f4

Nach dieser absoluten Notwendigkeit, die dem weißen Monarchen schicksalsbesiegelnd den Rückweg in heimische Gefilde abschneidet, zeigt die Engine ein forciertes Matt an – in spätestens sieben Zügen!(!!)
[Entsprechender Original-Post des Berichterstatters nach dieser Entdeckung in die Chatgruppe 19:54 Uhr : „Lasst mal im 24.Zug die Engine laufen!!“]
Deutlich am längsten zappelt nun
25.Se4! gegen die Mattsetzung an – und da in der Folge nun immer den einzig richtigen Zug zu finden, ist mitunter noch gar nicht trivial; hier und da lässt sich auf dem Irrweg nicht mehr als eine Zugwiederholung finden.
An dieser Stelle überlassen wir es vielleicht mal dem werten Lesenden, die (brillante) Sache mit Muße und aller Ruhe ganz zu Ende zu bringen (Erhobener Zeigefinger: der nun folgende Zug muss noch genau passen!), die dem Mattsetzenden wohl einen würdigen und überdauernden Platz in der taktischen Lehrliteratur eingebracht hätte (da der Schreiberling gerade nebenbei ‚Tour de France‘ guckt und der (mit Verlaub) „selbstverhinderte Partieheld“ das auch als Hobby pflegt: „hätte, hätte, Fahrradkätte, lieber Werner! ;-), je nachdem wohl, ob er sich noch verhaspelt hätte oder nicht, entsprechend als Held oder als tragische Figur.
[Das Endklassement: https://s3.chess-results.com/tnr1351916.aspx?lan=0&art=4&fed=GER&SNode=S0 ]