Beitragsbild: da konnte man noch nicht ahnen, zu welch zähem Ringen sich das Match mit den Gästen aus Sontheim entwickeln würde …
Oberliga Württemberg 2025/26 Runde 5:
SVE – SK Sontheim / Brenz 3,5:4,5
Das Glück war an diesem Tage wahrlich nicht auf unserer Seite, denn dieses sehr enge Match hätte ohne Weiteres auch in die andere Richtung ausgehen können. Letztlich setzte uns der krankheitsbedingte Ausfall von Dietmar Kessler schon zu, obwohl die gezeigte Leistung auch ohne dessen Präsenz konkurrenzfähig blieb.

An Michael Rupps Brett war diesmal vergleichsweise wenig los,
was vom Spitzenbrett nicht wirklich behauptet werden konnte
Schon bald sollte es an vielen Brettern zu soliden, remisträchtigen Abspielen kommen, die auf mehr oder weniger ereignislose Partien hinausliefen und die Nerven aller strapazierten, da sich lange Zeit kein klarer Trend abzeichnete, in welche Richtung sich das Match entwickeln würde. Letztlich entschieden nur drei Bretter über den Ausgang des Kampfes, von denen sich zwei bis weit in die fünfte Stunde hinzogen. Den Auftakt machte Michael Rupp (2), der aus der Eröffnung nichts herausholte und sich schon bald mit einer farblosen Punkteteilung mit den weißen Steinen begnügte. Nils Wurmbauer (3) rang seinem Gegner mit den schwarzen Steinen ohne größere Mühe schon bald dasselbe Ergebnis ab, so dass nichts Dramatisches passiert war. Ein echtes Missgeschick unterlief Uli Junger (7), der ein Remisangebot ausschlug, aber nur drei Züge später die Partie nach einem Fehlzug verloren geben musste – sehr ärgerlich und komplett überflüssig. Michael Mehrer (6) wählte als einer der wenigen Spieler an diesem Tag eine zweischneidige Eröffnungsvariante, musste aber schon bald erkennen, dass sich sein Gegner besser auskannte als er selbst und konnte sich glücklich schätzen, in ein Remis zu entwischen. Unser Ersatzmann Jan Hoyler (8), der auch in seiner zweiten Oberligapartie überhaupt ungeschlagen blieb, hatte sich dagegen realistische Chancen auf einen Sieg erarbeitet, nachdem er seinen Gegner in ein kompliziertes Gefecht verwickelt hatte und schon bald die Oberhand gewann. Leider fand er eine gewinnträchtige Idee nicht und steuerte letztlich nach zäher gegnerischer Verteidigung „nur“ einen halben Zähler bei. Werner Junger (5) spielte eine grundsolide Partie und geriet nach Einschätzung des Berichterstatters, der allerdings nur selten zum Kiebitzen Gelegenheit hatte, kaum in Bedrängnis. Auch diese Partie endete mit einer Punkteteilung, so dass die letzten beiden laufenden Partien über den Ausgang entscheiden mussten. Hartmut Hehn (4) spielte eine vernünftige Partie und gewann letztlich verdient, auch wenn er zwischenzeitlich dem Gegner die Initiative überlassen hatte, dieser aber nichts daraus machte. Dann bekam er das Geschehen immer besser in den Griff und fand in der Diagrammstellung folgende Idee:

Hartmut spielte hier 44. b3-b4!?, worauf der Gegner zunächst noch richtig antwortete mit 44… a4-a3!, aber dann hätte er nach 45. Lb2-a1 d4xe3+ 46. Kd2xe3 unbedingt den Zug 46… Td8-d1! spielen müssen. Vermutlich übersah er, dass 47. e5-e6 Td1xa1 48. e6-e7 Lg7-d4+! die Stellung ins Dauerschach austrudelt oder alternativ nach 49. Ke3xe4 Ta1-e1+ 50. Ke4-d5 Te1xe7 51. b4xc5 auch zum Remis tendiert. Aus diesem Grund schlägt die Engine in der Diagrammstellung das genauere 44. Tg5-g1! vor, um zunächst diese Idee aus der Stellung zu nehmen. Schwarz könnte dann seine Stellung nicht verstärken, während Weiß droht, auf d4 zu nehmen und dann den Turm nach e1 zu stellen, um den e-Bauer zum Vorrücken zu zwingen und dem weißen König den Weg nach d3 freizumachen. Schwarz wählte aber 46… c5xb4? und stand nach 47. La1-d4 glatt auf Verlust. Zehn Züge später musste er die Waffen strecken.
Fraglos die beste Partie des Tages aus unserer Sicht – nicht nur, weil es der einzige Sieg bleiben sollte. Den Preis hätte eher Bernd Grill (1) für sich beanspruchen können – ja, wenn sich nicht nur wenige Momente vor Hartmuts Sieg das folgende Drama am Spitzenbrett abgespielt hätte:

Lange hatte sich der Nachziehende gegen den amtierenden Deutschen Meister der U14, Neil Albrecht, erbittert zur Wehr setzen müssen, doch schon vor der ersten Zeitkontrolle hätte Schwarz den Sack einmal zumachen können, wenn ihm im entscheidenden Moment genügend Bedenkzeit verblieben wäre. Das Diagramm zeigt den Schlüsselmoment vor der zweiten Zeitkontrolle: hier offerierte Weiß ein Remisangebot. Beim gefühlten Stand von 3,5:3,5 (Hartmut Hehn stand zu diesem Zeitpunkt auf Gewinn) ging unser Spitzenbrett aufs Ganze und spielte trotz knapper Bedenkzeit auf Sieg, was rein von der Position her gerechtfertigt, aber von der verbliebenen Bedenkzeit her riskant war (Schwarz lebte praktisch nur noch vom Zeitbonus pro Zug). So nahm das Schicksal seinen Lauf: auf 48… a4-a3 hatte Bernd 49. Sf3-g5 erwartet (49… Tc8-f8, und falls 50. e5-e6, so 50… Dc6-c3 mit Angriff gegen den Turm und der Idee 51… Dc3-f6). Es folgte aber 49. e5-e6?, was Schwarz die Gelegenheit gegeben hätte, mit 49… Lb2-f6! 50. g3-g4 Tc8-f8 gewinnbringenden Vorteil zu erlangen. Es geschah aber 49… f7xe6? 50. Sf3-g5 Tc8-f8, wonach Schwarz von dem objektiv gar nicht so starken 51. Dg4-b4?! (besser ist 51. Df4-e3 oder 51. Df4-g4 mit Ausgleich) überrascht wurde. Mit einer Sekunde auf der Uhr geschah 51… Tf8-e8!. Nun zog Weiß 52. Db4-b3, was objektiv fast schon zum Verlust führt (besser war 52. Db4-a5), aber soll Schwarz nun den Bauer allen Ernstes decken, indem er den König nach f6 zieht? Nein, denn das muss er gar nicht: nach 52… Te8-h8!! müsste Weiß zu 53. Sg5-e4 greifen, da er nach 53. Sg5xe6+? Kg7-f6! 54. f2-f3 Dc6-c3! glatt auf Verlust stünde. Fragt sich nur, wer solche haarsträubenden Varianten in Zeitnot berechnen kann! Stattdessen geschah 52… Dc6-d7?! mit immer noch ausgeglichener Stellung, aber leider mit gleichzeitiger Bedenkzeitüberschreitung.
Somit kam Weiß zum Sieg, obwohl er während der gesamten Partie kein einziges Mal auf Gewinn stand.
Die Tragik dieses Ausgangs liegt darin, dass der SVE mit einem Sieg in diesem Match die Tabellenspitze sogar zementiert hätte und mit einem Remis zumindest den Klassenerhalt praktisch gesichert hätte, während jetzt erst einmal die große Ernüchterung Einzug hält und der Blick wieder nach unten gerichtet wird.
Hier das Endergebnis in der Übersicht:
| Brett | SV Ebersbach 1 | SK Sontheim/Brenz 1 | Brettpunkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Grill, Bernd | Albrecht, Neil | 0:1 |
| 2 | Rupp, Michael | Brückner, Thomas | ½:½ |
| 3 | Wurmbauer, Nils | Egle, Stefan | ½:½ |
| 4 | Hehn, Hartmut | Walter, Kevin | 1:0 |
| 5 | Junger, Werner | Pürckhauer, Sören | ½:½ |
| 6 | Mehrer, Michael | Riefner, Edwin | ½:½ |
| 7 | Junger, Ulrich | Ullmann, Jürgen | 0:1 |
| 8 | Hoyler, Jan | Klein, Andreas | ½:½ |
| Gesamtergebnis | 3,5:4,5 |
Ein richtungsweisendes und alles andere als einfaches Match steht am Sonntag, den 8. Februar, auswärts in Wernau an, wo die weiteren Weichen gestellt werden, zumal der SVE in der 7. Runde (1. März) aussetzt. Momentan steht der SVE immer noch auf Rang 2 in der Tabelle hinter dem heutigen Gegner, aber angesichts der engen Situation kann sich das Gesamtbild sehr schnell ändern, weshalb sich kein Team ein Nachlassen erlauben kann.