Zuletzt an den Tagen um ‚Christi Himmelfahrt‘ fand von Donnerstag bis Sonntag in der Stadthalle Ditzingen, gemeinsam ausgerichtet von SSV Zuffenhausen, TSF Ditzingen und SV Stuttgart-Wolfbusch, die
‚Offene Internationale Stuttgarter Stadtmeisterschaft‘
im Rahmen von drei nach Spielstärke gestaffelten Turnieren statt. Im stärksten A-Turnier traten insgesamt 120 Spieler aus Nah und Fern an, darunter vom SVE auch unser Nils Wurmbauer. Gespielt wurde dabei mit derselben Bedenkzeitregelung wie in unserer Oberliga: 90min/40 Züge + 30min für den Rest, mit 30 Sekunden Inkrement vom ersten Zug an bei insgesamt sieben Runden.

Nach einem doch recht holprigen und dabei einigermaßen glücklichen Auftaktremis gegen einen nominell leicht schwächeren Spieler vermochte Nils in Runde zwei seine deutliche Favoritenstellung dann aber standesgemäß auszufüllen; mit den schwarzen Steinen spielend schon sehr zeitig ans Ruder gekommen, erspielte er sich mit dem besseren Spiel alsbald eine Gewinnstellung, wonach der Gegner bereits im 20.Zug die Segel strich.
Nun in Runde drei wartete mit der Nummer fünf der Setzliste, IM Marcel Becker (Oberhausener Schachverein, DWZ 2331) die erste wirkliche Nagelprobe. Hier hatte Nils jedoch nur wenig Mühe, den gegnerischen französischen Fort-Knox-Aufbau unter Kontrolle zu halten; ein erstes in einem Doppelturmendspiel von Nils unterbreitetes Remisangebot in eher für ihn leicht besserer Stellung lehnte der Favorit kämpferisch noch ab, aber nach über dreißig weiteren Zügen, in der sich nach und nach alle Türme abtauschten und nur jeweils ein Bauer übrig blieb, musste der Gegner dann aber schließlich einsehen, dass da nichts zu holen ist, um darauf selbst im 67. Zug die nunmehr unausweichliche Punkteteilung zu offerieren.
In der Folgerunde hatte Nils gegen einen tatsächlich noch ein paar Jahre jüngeren Teenager zu spielen, der dabei aber schon eine DWZ von über 2000 aufweist. Dass dieser entsprechend ziemliches Talent besitzt, bewies er bereits in der Eröffnung, die er ausgezeichnet spielte, während Nils sich die eine oder andere positionelle Ungenauigkeit erlaubte, so dass er schon recht zeitig und recht unmerklich in eine heikle Lage geriet. Der junge Gegner fand dann aber hier und da nicht die nötigen allerstärksten Züge, um den Sack ganz zuzumachen, so dass Nils sich gewissermaßen wie ein Boxer in den Seilen hängend gerade noch so im Spiel

zu halten vermochte – bis der Gegner schließlich in immer noch gewinnträchtiger Stellung im 33. Zug aus irgendwelchem Grunde ohne wirkliche Not einzügig seinen ganzen Vorteil über Bord warf, indem er eine Qualität zurückopferte [Diagr.], was er sogleich mit einem Remisangebot verband – zurecht, denn es wären sogleich die Damen und das noch verbliebene Turmpaar getauscht worden und ein klar remisiges Bauernendspiel mit ungleichfarbigen Läufern und einem entwerteten Mehrdoppelbauer entstanden.
In der nächsten Runde fünf hatte Nils nun mit den weißen Steinen nochmals gegen einen nur wenige Jahre älteren Gegner als zuvor anzutreten, wobei sich so ungefähr derselbe Spielverlauf, nur mit umgekehrten Vorzeichen entwickelte. Der Gegner wartete da schon sehr zeitig mit einem etwas überraschenden, aber dabei auch etwas dubiosen Zug auf, wie Nils in der Folge mit zunächst sehr präzisem Spiel nachwies und entsprechend deutlich besser aus der Eröffnungsphase heraus kam. Den ersten echten gegnerischen Fehler ahndete Nils zunächst noch korrekt, um dann aber ein halbes Dutzend Züge später den klaren Gewinnzug zu verpassen und stattdessen etwas unnötig eine Qualität zu opfern, was aber keine entscheidende Wirkung zu zeitigen vermochte. In einer Stellung, in der der Gegner

eine Qualität mehr, dafür aber auch zwei Minusbauern hatte und die Materialbilanz insofern an sich ausgeglichen war, offerierte dieser ein Remisangebot [Diagr.] – gut getimed, denn Nils nahm dieses – allein aus rein stellungsmäßiger Perspektive betrachtet – leider an. Mit etwas mehr nüchtern-positioneller Betrachtung und wohl auch mehr Zeit auf der Uhr hätte man letztlich wohl realisieren können, dass abgesehen von der ausgeglichenen Materialbilanz dagegen Bauernstruktur, ein starkes Läuferpaar, der noch nicht mitspielende Turm und die beiderseitige Königssicherheit noch immer in entscheidendem Ausmaß für die Ebersbacher Chancen sprachen.
Aus Caissas Sicht lässt sich so wohl bilanzierend konstatieren, dass sich so Glück und Pech in dieser und der vorigen Waage quasi die Waage hielten.
Das Los für die Vorschlussrunde bescherte Nils nun endlich mal wieder wie mit dem Titelträger in Runde drei einen älteren Gegner – in diesem Fall einen noch etwas reiferen, denn FM Thilo Kabisch von der SK Schmiden/Cannstatt (DWZ 2234) ist in hiesigen Württembergischen Schachgefilden schon seit Jahrzehnten wohlbekannt und arriviert.
Insofern an sich recht schwierig, einen (mit Verlaub) so „alten Hasen“ in Sachen Eröffnung noch mit irgendetwas überraschen, geschweige denn aufs Glatteis führen zu können – doch genau das gelang Nils mit einem heutzutage ziemlich selten gespielten und etwas riskanten Schwarzaufbau in einer Spanischen Partie, in der der Routinier bereits im neunten Zug eine dubiose Neuerung kreierte, nach der die Analyseengine schon annähernd entscheidenden Ebersbacher Vorteil ausweist! Aus eigener persönlicher leidiger Erfahrung weiß jedoch der Berichterstatter um die Zähigkeit dieses Spielers; entsprechend erlebte er in der Folge bei der Analyse eine Art Déjà-vu-Erlebnis, denn Kabisch vermochte sich zunächst wieder gepaart mit Nils´ nun nicht optimalen Spiel (wo dieser einmal einen Gewinn verpasste) schließlich wieder zu berappeln und die Chancen in ungefähr wieder auszugleichen, um dann schließlich aber doch ein zweites Mal im 25. Zug daneben zu greifen, wo er nicht den einzig ausgleichenden Zug, sondern nur den zweitbesten fand. Aus der resultierenden längeren recht forcierten, aber dennoch wirklich nicht einfach zu berechnenden Folge fand er letztlich kompensationslos in einem Turnendspiel mit Minusbauer wieder, das er nach dem einen und anderen weiteren suboptimalen Zug dann nicht mehr zu halten vermochte; in der abgebildeten Diagrammstellung quittierte er nach 59…Tb1 [Diagr.] schließlich seine Niederlage. 
Mit der aus diesem überraschenden Schwarzsieg resultierenden Punktebilanz von 4/6 winkte mit einem Sieg in der Schlussrunde eine wohl noch mögliche Endplatzierung unter den Top 10; mit dem Führen der weißen Steinen und einem vier Jahre älteren und nominell nur etwas besseren Spieler erschien dies zwar nicht einfach, aber durchaus im Bereich des Realistischen. In einer Italienischen Partie, in der wiederholt mal der eine, mal der andere Spieler signifikanten Vorteil hätte generieren können, opferte der Gegner schließlich eine Qualität, mit der er die gegnerische Königsfestung deutlich zu kompromittieren vermochte; seinen Zug 18…Sf6-h5 [Diagr.] verband er mit einem Remisangebot, das Nils schließlich annahm! (Der werte Leser möge bitte für sich selbst entscheiden, was er davon halten möchte!) 
Mit der entsprechenden Endbilanz von 4,5/7 langte es so nun zwar nicht mehr für die Top 10, aber als Nummer vierzig der Setzliste ist ein zwanzigster Platz wohl aller Ehren wert, zudem Nils als einer von insgesamt nur fünf Spielern dabei ungeschlagen blieb.
Das Endresultat des A-Turniers: https://s2.chess-results.com/tnr1363447.aspx?lan=0&art=4&fed=GER&turdet=YES&SNode=S0