Verpasste Chancen (19)

Schacholympiaden haben vor allem den Reiz, dass Weltklassegroßmeister sich auch mal mit etwas schwächeren Spielern zu Beginn des Turniers duellieren müssen und Überraschungen dabei nicht immer ausbleiben. Im vorliegenden Beispiel hätte ein schwedischer IM die Chance gehabt, den Skalp eines ganz großen Spielers zu erbeuten – doch es sollte nicht sein.

 

Schneider – Tal, Schacholympiade, Luzern 1982
Weiß am Zug

Natürlich war die Rollen bei diesem ungleichen Duell klar verteilt: der mit den schwarzen Steinen spielende Exweltmeister Mikhail Tal ging gegen den praktisch unbekannten schwedischen Internationalen Meister Lars-Ake Schneider natürlich als haushoher Favorit in diese Begegnung.
Letztlich setzte sich Tal auch durch, aber wenn Schneider hier die Chance seines Lebens nicht achtlos mit 1. g2-g3? hätte verstreichen lassen, dann hätte er wohl nicht sechs Züge später verloren, sondern stattdessen den größten Sieg seines Daseins als Schachspieler einfahren können.
Wie hätte sich das bewerkstilligen lassen?

============================ LÖSUNG ============================

Der schwedische IM hätte hier nicht nur gewinnen können, sondern auch noch gute Chancen auf einen Schönheitspreis gehabt, wenn er das spektakuläre Damenopfer 1. Dh3xh6!! erspäht hätte. Die Dame darf Schwarz wegen des folgenden zweizügigen Matts nicht nehmen, doch wie soll er sich sonst gegen die zweizügige Mattdrohung, beginnend mit dem Damenschach auf h8, wehren? Die lakonische Antwort lautet: gar nicht, denn das Schlagen auf f7 führt genauso zum Matt. Die einzige Möglichkeit, den Widerstand zu verlängern, besteht in 1… g6-g5, damit der schwarze Turm das Feld h6 decken kann. Nach dem einfachen 2. Dh6xg5 steht Schwarz aber wieder vor einem Dilemma: es droht ein zweizügiges Matt nach 3. Sf7-h6+ und 4. Dg5xg7#, worauf auch 2… Dc2xb2 nicht hilft, da Schwarz nach dem prosaischen 3. Sf7-h6+ Tc6xh6 4. Tf1xf8+ wegen des Matts auf d8 nicht zurückschlagen darf. Nach 4… Kg8-h7 hätte Schwarz in aussichtsloser Stellung eine Qualität weniger und könnte guten Gewissens aufgeben.

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