Das Wunder ist ausgeblieben

Beitragsbild: Bernd Grill bekam es am Spitzenbrett mit Großmeister Petr Velicka zu tun und stand lange Zeit recht aussichtsreich, spielte aber nach wechselhaftem Verlauf letztlich remis

Oberliga Württemberg 2025/26   Runde 9:
SG Schwäbisch Gmünd   –   SVE   4:4

Theoretisch waren an diesem letzten gemeinsamen Spieltag der Oberliga für den SVE noch Chancen auf den Aufstieg in die BW-Liga vorhanden, doch dazu hätte einiges zusammenkommen müssen.

Schon vor dem Auftakt stand das Turnier unter keinem guten Stern: der Schiedsrichter traf zu spät ein, der Spielsaal war noch abgeschlossen, das Spielmaterial mittelmäßig und der Staffelleiter ließ sich wegen seines Geburtstags entschuldigen.

Blick in den Turniersaal

Mit einer guten halben Stunde Verzögerung konnten die Matches endlich beginnen, doch sehr schwer wog aus unserer Sicht die Tatsache, dass der SC Grunbach, letzter Gegner der Ersten der Stuttgarter Schachfreunde, schon gerettet war und daher nur eine bessere Landesligamannschaft ins Rennen schickte. Der SVE hätte 1,5 Brettpunkte auf die Schachfreunde aufholen müssen, was angesichts der hoffnungslosen Unterlegenheit von Grunbach illusorisch wurde. Viel zu schnell sorgte der Favorit bei diesem Match für klare Verhältnisse: der praktisch mühelose 6,5:1,5-Sieg hätte bedeutet, dass wir Schwäbisch Gmünd (das im Gegensatz dazu praktisch in Bestbesetzung angetreten war) hätten mit 8:0 besiegen müssen, was natürlich aussichtslos war.

Zwei schnelle und mehr oder weniger ereignislos verlaufene Auftaktremisen mit den schwarzen Steinen von Michael Rupp (2) und Nils Wurmbauer (4) machten zu Beginn noch ein wenig Hoffnung, doch die Moral des SVE war nach den Entwicklungen im anderen Match rasch gebrochen. Michael Mehrer (7) behielt in einer komplexen Stellung die bessere Übersicht und gewann schon bald Material:

Hier hätte Schwarz mit 14… h7-h6! vollwertiges Spiel erlangen können, wie die folgende Beispielvariante zeigt: nach 15. Lg5xe7 Dd8xe7 16. e4xf5 De7-e3+! 17. Dd2xe3 Sg4xe3 18. f5xg6 Lf7xg6 19. Tf1xf8+ Ta8xf8 20. Sh3-f4 Lg6-f7 21. Ta1-c1 b7-b5! hat Schwarz einen Bauer weniger, aber reichlich Raum und ein extrem starkes Läuferpaar, das mehr als ausreichende Kompensation verspricht.
Stattdessen verfiel er auf die Idee 14… Lf7-e6? 15. Sh3-f4 Lg7-d4+ 16. Kg1-h1 Ld4-e3 und musste nach 17. Dd2-e2 Le3xf4 18. Tf1xf4 Sg4-e5 19. e4xf5 rasch das Scheitern seines Plans eingestehen, denn nach 19… Tf8xf5 (oder 19… g6xf5 20. d3-d4!) 20. Tf4xf5 Le6xf5 (auch nicht besser ist 20… g6xf5 21. Sc3-d5 Le6xd5 22. Lg2xd5+ Kg8-g7 23. De2-h5) 21. Sc3-d5 ging eine Figur und mit ihr die Partie flöten. Übrigens wäre auch 17. Sf4xe6 Le3xd2 18. Se6xd8 Ld2xg5 19. Sd8-e6 sehr stark gewesen, was die schwarze Wahl umso verwunderlicher erscheinen lässt.

Dagegen stand Dietmar Kessler (3) diesmal leider komplett neben sich und verlor chancenlos, zumal er sich in schlechter Stellung auch noch einen Turmeinsteller genehmigte und aufgeben musste. Die restlichen vier Partien zogen sich mit gewissen Vorteilen für den SVE hin: Hartmut Hehn (5) hatte die ganze Zeit über spürbaren Druck ausgeübt und hätte, wenn es darauf angekommen wäre, die leicht überlegene Stellung sicherlich auch weiterspielen können.

Hatte alles im Griff und übte spürbaren Druck aus: Hartmut Hehn

Bernd Grill (1) hatte spürbare Initiative erlangt und das Remisangebot seines großmeisterlichen Gegners abgelehnt, fand aber in der verwirrenden Vielzahl an Optionen ein, zwei Mal nicht die beste Möglichkeit, Schwarz weiter unter Druck zu setzen. So musste er sich im Gegenteil seiner Haut erwehren, nachdem die Partie weiter kippte und letztlich in ein Dauerschach austrudelte. Werner Junger (6) schlitterte nach guter Eröffnung allmählich in eine schlechte Stellung und musste letztlich froh sein, das Remis im Endspiel zu erreichen. Dagegen knöpfte sein Bruder Uli Junger (8) dem Gegner frühzeitig eine Qualität ab, vermochte diese aber im Endspiel nicht zu verwerten und besiegelte mit seiner Punkteteilung den Endstand, der den SVE letztlich sogar noch auf den für uns bedeutungslosen dritten Rang in der Endtabelle abrutschen ließ, weil die Zweite des SV Heilbronn mit einem Kantersieg gegen Sontheim noch vorbeizog.

Hier das Endergebnis in der Übersicht:

Brett SG Schwäbisch Gmünd 1 SV Ebersbach 1 Brettpunkte
1 Velicka, Petr 2353 Grill, Bernd 2165 ½:½
2 Jurek, Josef 2165 Rupp, Michael 2179 ½:½
3 Flajsman, Pavel 2154 Kessler, Dietmar 2225 1:0
4 Bergner, Philipp 2162 Wurmbauer, Nils 2060 ½:½
5 Lang, Thomas 2055 Hehn, Hartmut 1996 ½:½
6 Weiss, Andreas 2037 Junger, Werner 2018 ½:½
7 Pohl, Walter 2043 Mehrer, Michael 2017 0:1
8 Müller, Nils Samuel 1934 Junger, Ulrich 1936 ½:½
Gesamtergebnis 4,0:4,0

Meister wurden somit die Stuttgarter Schachfreunde, die ihren Vorsprung ins Ziel retteten und im letzten Spiel nichts mehr anbrennen ließen. Wir gratulieren zum Aufstieg in die BW-Liga! Am anderen Ende der Tabelle unterlagen im Abstiegsduell die Wernauer gegen die Zweite von Stuttgart mit 3,5:4,5 und müssen zusammen mit Jedesheim und Heilbronn-Biberach den Gang in die Verbandsliga antreten.

Hier die Endtabelle der Oberliga-Saison 2025/26:

Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Sp MP BP
1. Stuttgarter SF  + 5 4 4 4 8 11 40
2. Heilbronner SV II 3  + 6 6 5 5 8 10 37½
3. SV Ebersbach 4  + 4 4 4 8 10 36
4. SK Sontheim/Brenz 2  + 3 5 4 8 9 31
5. Stuttgarter SF II 4 2  + 6 8 7 30½
6. SG Schwäbisch Gmünd 4 4 5  + 4 5 8 7 30½
7. SC Grunbach 3 4 4  + 4 8 7 29
8. SF HN Biberach ½ 4 3 2 4  + 8 6 26
9. SK Wernau 3 4 3  + 8 5 27½
10. SV Jedesheim  +

Auch wenn es für die finale Krönung nicht reichte, so hat sich der SVE als Aufsteiger mehr als achtbar geschlagen: obwohl objektiv eher ein Kandidat für die untere Tabellenhälfte, spielte man tatsächlich bis zuletzt um den Titel mit und sorgte mit solch unerwarteten Siegen wie gegen die Zweite von Heilbronn für Aufsehen.

Eine Nachlese zu dieser aufregenden Saison folgt in Kürze.

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