… und jährlich grüßt das Murmeltier

Verbandsliga Süd 2021/22   Runde 3:
SVE   –   SF Pfullingen   6:2

Es gibt irgendwie Ereignisse, die sich in schöner Regelmäßigkeit wiederholen: in diesem Fall ist es für die Erste des SVE das praktisch schon sichere Heimspiel gegen Pfullingen, das fast immer in der kalten Jahreszeit stattfindet. In den letzten Jahren haben sich die Gäste aus dem Echaztal trotz einer durchaus nicht harmlosen Spielstärke zu unserem Lieblingsgegner entwickelt, denn in der jüngeren Vergangenheit gab es gegen dieses Team praktisch nur Siege. Mal gerieten sie recht überzeugend, mal eher glücklich – doch diesmal fiel das Ergebnis so deutlich wie noch nie aus.

Die Ouverture zu diesem Match wurde schon am 5. November gespielt, denn Kapitän Bernd Grill (1) weilte zum heutigen Termin beim Schulschachkongress in Braunschweig. Die auf Antrag und nach Genehmigung des Staffelleiters vorverlegte Partie endete in einer recht gehaltvollen, wenn auch kurzen Punkteteilung. Da die Gäste nun eine Schwarzpartie mehr hatten, genoss der SVE zumindest einen symbolischen Vorteil. Nikola Karacic (8) gestattete sich ein relativ schnelles und eher farbloses Remis, doch dann schlug das Pendel rasch zu unseren Gunsten aus. Michael Mehrer (5) opferte frühzeitig in für ihn typisch optimistischer Manier einen Bauer und stellte den Gegner vor einige praktische Probleme, die dieser nicht überzeugend lösen konnte. Er offerierte bald ein (vom Gegner akzeptiertes) Remisangebot mit den schwarzen Steinen, hätte aber angesichts der ramponierten weißen Bauernstruktur recht risikolos auf Sieg spielen können – vielleicht überzeugte ihn die Qualität der restlichen Stellungen, nicht weiterzuspielen. Dank guter Vorbereitung spielte Nils Wurmbauer (4) auch diesmal die Eröffnung stark und hatte langanhaltenden Vorteil, den er leider durch ein paar oberflächliche Züge nach und nach einbüßte – das Remis gegen den stärker eingeschätzten Gegner war jedoch nie gefährdet, so dass auch dieses erneut gute Ergebnis als ernster Achtungserfolg anzusehen ist. Werner Junger (6) nutzte eine gegnerische Ungenauigkeit in der Eröffnung rasch zu seinen Gunsten aus und baute stetig eine attraktive Stellung auf, die er trotz minimaler Wackler letztlich ungefährdet zum Sieg führte: die magere gegnerische Initiative schmetterte er umsichtig ab, wonach seine Freibauern die Partie entschieden. Wenn die Gäste heute etwas holen wollten, dann hätten sie die wenigen sich bietenden Chancen auf jeden Fall nützen müssen. So büßte Uli Junger (7) nach einer Unachtsamkeit in der Eröffnung einen Bauer ein, doch dank einiger Ungenauigkeiten des Gegners konnte er seine Stellung stabilisieren. Nach weiteren zweitklassigen Zügen des Kontrahenten übernahm er sogar die Initiative und führte diese sicher und stark zum Sieg. Ein großes vorzeitiges Weihnachtsgeschenk erhielt dagegen Dietmar Kessler (3), denn um aus der gruseligen Diagrammstellung heraus mit Schwarz zu gewinnen, bedarf es schon einiger Irrtümer.

Es gibt hier aus schwarzer Sicht überhaupt nichts schönzureden, denn nach 20. Tf1xf7! hätte der Nachziehende guten Gewissens aufgeben können. Nach 20. Sg5xf7?! konnte er sich hingegen nochmals berappeln, da die Partie nach 20… Sh6xf7 zumindest noch etwas weiter geht, auch wenn das simple und offensichtliche 21. Lc4xf7+ hier immer noch ganz einfach eine Qualität mit Gewinnstellung einsackt. Stattdessen geschah jetzt 21. Tf1xf7??, was Dietmar korrekterweise und wohl zum Entsetzen des Gegners mit 21… Lb7xe4! beantwortete. Nun bringen Abzugsschach mit Angriff auf die schwarze Dame nichts Direktes mehr ein, da die weiße Königin ebenfalls hängt. Zurücknehmen darf der Anziehende auf e4 aber ebenfalls nicht wegen der Abzugsdrohung auf h2. Objektiv ist die Stellung in etwa ausgeglichen, wenn Weiß nun mit 22. Tf7-d7+ Kg8-h8 23. Td7xd8 Le4xd3 24. Td8xa8 Te8xa8 25. Lc4xd3 Le5xd6 abwickelt. Die tatsächliche weiße Zugwahl 22. Lc1-h6? sollte in den Orkus führen – nicht erstaunlich, dass Weiß angesichts des großen Schocks den Faden verlor. Doch nun war es an Schwarz, fehlzugreifen: mit dem kaltblütigen 22… Kg8-h8! hätte er allen Gefahren ungeschoren entgehen können, doch stattdessen geschah 22… Sc7-e6?? 23. Dd3xe4 Dd8xd6 mit Gewinnstellung für Weiß. Selbst diese verdarb Weiß jedoch später noch mit einem abermaligen groben Schnitzer, so dass man mit Fug und Recht von einem äußerst glücklichen Punktgewinn in diesem Fall sprechen konnte.

Überzeugender machte es Michael Rupp (2), der seinen dritten Sieg im dritten Spiel feiern konnte. Der Gegner hatte frühzeitig durch Inkaufnahme gewisser Zugeständnisse versucht, ein schlechteres Endspiel remis zu halten. Diese Strategie ging jedoch nicht auf, da Weiß stets eine lästige Initiative behielt, die Michael fast ungefährdet zum Sieg führen konnte.

Alles in allem war das heute eine erstaunlich klare Angelegenheit, denn lediglich an den Brettern 3 und 7 hätte es für die Gäste heute eine höhere Punktausbeute geben müssen. Da diese wenigen Chancen von den Gästen nicht genutzt wurden und der SVE dagegen die starken Stellungen in Punkte ummünzte, geriet das Ergebnis heute so einseitig wie selten.

Hier das Endergebnis in der Übersicht:

Br. SV Ebersbach 1 SF Pfullingen 1 6:2
1 Grill, Bernd Altenhof, Martin ½:½
2 Rupp, Michael Einwiller, Dieter 1:0
3 Kessler, Dietmar Güss, Cornel-Andreas 1:0
4 Wurmbauer, Nils Einwiller, Bernd ½:½
5 Mehrer, Michael Nagelsdiek, Michael ½:½
6 Junger, Werner Bräuner, Uwe 1:0
7 Junger, Ulrich Schubert, Martin 1:0
8 Karacic, Nikola Sand, Rolf ½:½

Damit steht der SVE verlustpunktfrei auf Platz 2 der Tabelle hinter dem Tabellenführer aus Jedesheim, die sich ebenfalls dreimal durchsetzen und noch mehr Brettpunkte holen konnten. Sofern es Corona zulassen sollte, dann stehen als nächste Duelle die richtungsweisenden Matches gegen den Topfavoriten aus Jedesheim (5. Dezember) und Wernau (23. Januar) an.

Dass der SVE nach der gruseligen Saison 2019/20, die eigentlich in dem Abstieg in die Landesliga kulminiert hätte, jetzt plötzlich so aufdreht und frühzeitig die Weichen auf Klassenerhalt gestellt hat, ist schon erstaunlich. Sollte es gar mit einem Sieg gegen die favorisierten Gastgeber aus Illertissen in der nächsten Runde klappen, dann könnte man den Blick sogar nach oben richten. Dennoch brauchen wir uns nichts vormachen, dass uns dort ein anderes Kaliber erwartet – auf das wir uns freuen dürfen.

 

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