Staufer-Open Runde 8: Runde 6 reloaded

Die heutige abendliche achte und damit vorletzte Spielrunde wirkte die Performance unserer drei Teilnehmer betreffend fast wie ein Remake der vorletzten sechsten Runde – und das durchaus nicht nur, was die Spielausgänge und deren personelle Zuordnung betrifft …

Bernd Grill am Zuge

Das beste Ende hatte entsprechend nicht zum ersten Mal unser mit Abstand unerfahrenster Teilnehmer für sich, der heuer das erste Mal überhaupt an diesem Turnier teilnimmt – und dabei von der Papierform her in der angestandenen Runde die schwierigste Aufgabe hatte, wenn man dafür lediglich die Kräfteverhältnisse der Ratingzahlen der betreffenden einander zugelosten Spielpartner heranzieht.

Der entsprechend überraschende Spielausgang gibt dabei auch einen Fingerzeig darauf, dass der Spielverlauf dann tatsächlich auch nicht umbedingt so war, wie man ihn bei einem umgekehrten Ergebnis erwartet hätte – soll heißen, dass der Sieg wohl wenig überraschend nicht gerade sauber herausgespielt war; da hat dann schon (mindestens) noch ein weiteres Katzenleben herhalten müssen, um am Ende wieder gar einen ganzen Punkt verbuchen zu können.

Die noch mangelnde Erfahrung machte sich auch diesmal bereits wieder schon im Eröffnungsstadium bemerkbar; im zwölften Zug hätte der Gegner an und für sich bereits entscheidenden Vorteil kredenzen können, nahm aber davon dann doch Abstand, um stattdessen zugs darauf gegen Nils´ kurz rochierten König zu dessen Überraschung auf h7 seinen Läufer reinzuklopfen, was zwar kreativ, aber angesichts des fehlenden weißen Bauern auf e5 in der konkreten Konstellation glücklicherweise lediglich unklarer Natur war, wobei Nils hier aber immerhin erst einmal den Mut zusammenkratzen musste, den Läufer zu nehmen und dann mit dem König nach dem nachfolgendem Sg5+ an die frische Luft nach g6 zu marschieren.

Objektiv hätte das Läuferopfer auch zumindest zu einem Remis für den Gegner gereicht; vermutlich sah er dabei auch, dass er durch einen Turmschwenk auf die h-Linie auch die Möglichkeit gehabt hätte, mit seiner Dame danach Dauerschach zu geben. Stattdessen wollte er aber wohl mehr von der Stellung haben als diese herzugeben vermochte, worauf sich nach dem entsprechend damit verbundenen letztlich nutzlosen Nullzug mit seinem anderen Springer Nils sich mit seinem König verkrümeln und sich letztlich konsolidieren konnte, auch wenn er dem Gegner kurz darauf noch eine zweite Möglichkeit zu einem Remiszug einräumte, den der Gegner aber wiederum verpasste. Das das war dann doch wohl auch für Caissa zu viel des Versemmelns, die nun entsprechend dann doch unserem Jüngling ihre Gunst zuneigte; jedenfalls versiegte letztlich der gegnerische Angriff mit entscheidendem Materialdefizit.

Unterm Strich hat dies aus SVE-Sicht vor der anstehenden Schlussrunde die Folge, dass Nils im B-Turnier mit dem Glück des Tüchtigen und entsprechend der momentanen Punktausbeute von 5,5/8 als gerade einmal Nr.189 der Setzliste nun auf einem zwischenzeitlich sehr erstaunlichen und tollen 25.Gesamtrang liegt und entsprechend morgen noch die praktische Chance hat, mit entsprechender Fortune (und gegebenenfalls dem Drangeben eines weiteren Katzenlebens) gar noch weiter nach vorne zu rücken – eine tolle Perspektive, die auch nicht so unrealistisch erscheint, da nun „nur“ ein Gegner der ungefähr selben Güteklasse wie zuletzt auf Nils wartet. Egal wie diese Partie am Ende ausgehen mag, kann Nils mit dem Output jetzt schon mehr als zufrieden sein, auch wenn zu diesem tollen Interimsresultat unter Umständen ein bisschen vielleicht beigetragen haben mag, in der dritten Runde einen Punkt kampflos erhalten zu haben, als die Gegnerin nicht zur Partie angetreten war.

 

Eine ähnlich lukrative Perspektive erschließt sich unseren Teilnehmern im A-Turnier leider nicht mehr; da haben beide schon zu frühzeitig zu viel an Federn gelassen, woran sich auch in der heutigen abendlichen Vorschlussrunde nichts mehr wesentlich daran ändern ließ, kamen beide zwar wenigstens zu einem Remis, aber eben auch nicht mehr.

Beide haben sich diesmal zumindest aber auch wirklich gar nichts weiter vorzuwerfen; objektiv gesehen war nach Sichtung der Partien und Meinung des Berichterstatters gegen die angestandenen 1900er-DWZler kaum mehr drin, weil sich diese einfach auch nichts weiter zuschulden kommen ließen. Dies gilt insbesondere für Bernd Grill´s zugeloste Amazone, die in seinem ihr vorgesetztem Katalanen außerordentliche Theoriefirmnis demonstrierte und die Eröffnung wirklich ganz sicher ohne jeden Fehl und Tadel auf Titelträger-Niveau zu spielen vermochte. Zwar fügte sich Bernd dennoch keineswegs gleich frühzeitig in eines der gar zweimal hintereinander in jeweils gänzlich ausgeglichenen Stellungen angebotenen Friedensangebote, doch nach ein paar weiteren Zügen musste er dann doch einsehen, dass gegen diese taffe Gegnerin und in dieser sehr soliden Schwarzvariante zumindest an diesem Tag und diesem Ort und Stelle wohl nichts mehr erreichen lassen würde; entsprechend Bernd´s seinerseitiges akzeptierte Remisangebot im 34.Zug.

Hartmut´s Gegner ließ sich dagegen zumindest den leichten Makel zukommen, dass er ein paar Züge vor Hartmut´s in total ausgeglichener und wenig perspektivreicher Stellung angebotener und akzeptierter Punkteteilung er wahrscheinlich doch mal eine Chance hatte, zu einer Stellung zu gelangen, wo für ihn vielleicht mit weiterhin ordentlichem Spiel sich eine Perspektive auf mehr zu spielen auftun hätte können.

So sind unsere beiden A-Turnier-Akteure nun auch die dritte Runde am Stück nun weiterhin im Gleichtakt wie zuletzt mit halber Kraft voraus vorangeschritten; bei der daraus resultierenden Vorschlussrundenbilanz von 3,5/8 wäre es wohl schon noch eine anspornende Schlussperspektive, mit einem Schlussrundensieg doch noch einen 50%-Score zu erreichen, was dann das Endergebnis wohl auch allein schon rein optisch doch ein Stück weit noch aufwerten würde. Angesichts dessen, dass die zugelosten Schlussrundengegner von der Papierform her noch im 1900er-DWZ-Bereich wie zuletzt liegen, sollte diese Zielperspektive für beide durchaus noch erreichbar sein, was zwar auch kein wirklich gutes Turnierergebnis daraus mehr machen könnte, dann aber irgendwo doch noch einen halbwegs versöhnlichen Turnierschluss darstellen dürfte.

 

Spätestens an dieser Stelle sollte der Berichterstatter vielleicht nun doch erstmals noch ein paar Worte zur Situation an der Tabellenspitze verlieren, zumal hier die Spitze doch sehr dicht beisammen liegt und entsprechend recht viel Spannung für den Kampf um den Turniersieg verspricht …

…Hier ganz vorne liegen nun vor der Schlussrunde fünf Spieler mit 6,5/8 gleichauf, wobei vier von diesen nun direkt aufeinander treffen. Die Spitzenpaarungen lauten dabei: GM Alexandre Dgebuaze (BEL, Sc Remagen-Sinzig)  – GM Vitaly Kunin (Freibauer Mörlenbach-Birken) sowie als weiterer deutscher Aspirant neben dem Vorgenannten auf den Turniersieg IM Jonas Lampert (Hamburger SK) – GM Vladimir Burmakin (RUS, SF Spraitbach).

Der außerordentlich routinierte letztgenannte Russe vermochte rundens zuvor seinen Anzugvorteil zu nutzen, um den bis dato stark aufspielenden fast noch blutjungen isländischen FM Vignir Vatnar Stefansson (ELO 2305, Jahrgang ´03 (!) – also nicht zu verwechseln mit dem vielfachen isländischen Landesmeister GM Hannes Stefansson) der bis dato noch intakten Perspektive auf einen sensationellen Gesamtsieg zu berauben.

Zu diesen Vieren gesellt sich noch GM Petr Velicka (CZE, SG Schwäbisch Gmünd), der dann einen der acht Verfolger mit einem halben Punkt weniger auf Distanz oder gar noch weiter zu distanzieren versuchen wird, darunter der schon erwähnte junge Wikinger sowie weitere Titelträger, von denen neuerdings einige wie ja schon ein paar zuvor Erwähnte bei zurzeit doch personell merklich aufrüstenden Vereinen aus unserem Württembergischen Schachverband gemeldet sind, so der Setzlistenerste polnische GM Vojtech Plat (CZE, Sc Weiler i.Allgäu) sowie die auch in württembergischen Schachgefilden schon länger bekannten GM Spyridon Skembris (GRE, Sc Grunbach) und IM Jaroslaw Krassowitzkij (SV Jedesheim).

Für viel Spannung ist also gesorgt, sei es mit SVE-Vereinsbrille oder ohne! Start der Schlussrunde ist wieder um 9:30 Uhr; eine Liveübertragung scheint leider wohl nirgendwo zu bestehen.

 

 

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